Positionspapier von AktionCourage e.V. und dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften - iaf e.V. für die Arbeit im Projekt "Vielfalt gestalten - Integration im Kindergarten"
Für Aktion Courage und den Verband binationaler Partnerschaften sind nicht die Kinder von Einwanderern das Problem des deutschen Bildungswesens, sondern das Bildungswesen selbst. Nicht die Kinder müssen sich ändern, sondern die Einrichtungen, die sie betreuen und in denen sie die erste außerhäusliche Bildungserfahrung machen.
Kindertagesstätten können personell und materiell so ausgestattet und offen sein, dass alle Kinder mit ihren kulturellen, sprachlichen und religiösen Eigenheiten angenommen werden.
Das setzt u. a. voraus, dass MigrantInnen als Erzieherinnen und KitaleiterInnen in den Einrichtungen arbeiten und sich ausländische Eltern in den Vertretungen engagieren.
Wenn interkulturelle bzw. vorurteilsbewusste Erziehung in den pädagogischen Konzepten von Kindertageseinrichtungen verankert ist, wird sie zum pädagogischen Alltag.
Anders wirken viele interkulturelle Einzelprojekte wie ein „türkisches Frühstück“ oder eine afrikanische Woche“, ein „Projekt Weltreise“ oder ein „multikulturelles Sommerfest“. Nach einer vorübergehenden Öffnung für das Fremde kehrt der „normal-deutsche Alltag“ zurück. Die konzeptionelle Verankerung vorurteilsbewusster Erziehung erfordert ein Umdenken. Es verändert die Wahrnehmung der kulturellen, religiösen und sprachlichen Vielfalt.
Dann kann der Kindergarten ein Ort sein, an dem die verschiedenen Kinder Gemeinsamkeiten entdecken und eine Verbundenheit entwickeln, um in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft miteinander zu leben und sie aktiv mitzugestalten.
Kinder bringen ihre Familiensprache, ihre Religion und ihre kulturell geprägten Lebensweisen mit in den Kindergarten. Als familienergänzende Bildungs- und Erziehungseinrichtung soll der Kindergarten diese Ressourcen in den Alltag der Kinder einbeziehen und nutzen. Interkulturelle Konzepte haben dafür Kriterien entwickelt, die folgende Einzelaspekte umfassen:
* Individualität – Gleichwertigkeit: „Jeder Mensch ist etwas
Besonderes!“
* Positive Identität: „Ich bin okay, so wie ich bin!“
* Wertschätzung: „Was ich mitbringe ist wichtig!“
* Repräsentanz: „Bei uns findet jeder ein Stück von zu
Hause!“
* Die heimlichen Botschaften erkennen: „Was andere verletzt,
ist nicht harmlos!“
* Den Blickwinkel ändern: „Meine Sicht ist nur eine von
vielen!“
* Gemeinsamkeiten entdecken: „Wenn wir zusammen spielen und
lernen, finden wir vieles, was uns verbindet!“
* Solidarität fördern: „Wir halten zusammen und können uns
wehren!“
Viele EinwandererInnen wollen, dass ihre Kinder bereits im Kindergarten die deutsche Sprache altersgerecht spielerisch und ohne Druck lernen. Gleichzeitig wollen sie, dass die Herkunftssprachen vertieft und gefestigt werden. Denn sie sind die Basis für den Erwerb weiterer Sprachen und nicht ein Hindernis.
Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich im Schulgesetz vom 15. Februar 2005 verpflichtet, Vorschulkinder ab dem vierten Lebensjahr, die nicht über hinreichende deutsche Sprachkenntnisse für den späteren Schulbesuch verfügen, zu fördern. Doch das jetzt in NRW eingeführte Testverfahren (Sprachstandserhebung) fahndet ausschließlich nach den Defiziten der Kinder in der deutschen Sprache, führt also leicht zur Entmutigung von Kindern aus ungünstigen sozialen Milieus und von Kindern mit Migrationshintergrund. Es berücksichtigt nicht deren mögliche Kompetenzen in einer anderen Sprache, die sie in ihren Familien erworben haben.
Maßnahmen, die nur die deutsche Sprache der Kinder fördern, wirken sich nicht integrativ auf die Gesamtfamilie aus.
Die Eltern, die als Partner für gemeinsam getroffene, tragfähige Erziehungsvereinbarungen gelten müssen, werden nicht in die Bildungsvita ihrer Kinder einbezogen.
Anzustreben ist eine Erziehungspartnerschaft zwischen ErzieherInnen und Eltern. Eine Partnerschaft, die Eltern stärkt, aber auch fordert.
Die Kindergärten in Nordrhein-Westfalen sind immer noch nicht ausreichend vorbereitet auf die alltägliche pädagogische Arbeit mit Kindergruppen unterschiedlicher Sprachen und Herkunftskulturen. Auch wenn in vielen Einrichtungen bereits Maßnahmen zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache stattfinden, existieren die strukturellen Voraussetzungen für die interkulturelle Arbeit mit Kindern immer noch nicht. Die Aufgabe, ein interkulturelles Lern- und Lebensumfeld für die fast überall vorhandenen multikulturellen Gruppen zu schaffen, erfordert kompetentes sich weiterbildendes Personal, einen angemessenen Betreuungsschlüssel für die Kindergruppen, Zeit für die Entwicklung und praktische Umsetzung der Prinzipien und die Bereitschaft, sich auf den Prozess des Umdenkens für einen „Kindergarten ohne Rassismus“ einzulassen.
Dieser Idee ist die interkulturelle bzw. vorurteilsbewusste Erziehung verpflichtet, die zum Bestandteil einer multikulturellen Kindergartenkultur im Einwanderungsland Bundesrepublik Deutschland werden kann.
So erfordert interkulturelle Erziehung einen Perspektivwechsel der MitarbeiterInnen, die überwiegend der Mehrheitsgesellschaft angehören, bei der alltäglichen Arbeit. Die eigene Sicht, die eigenen Vorstellungen von „guter“ Erziehung, von Normalität und Umgangsformen, Lebensgestaltung und Sprachenkultur nur als eine von vielen zu begreifen, ist ein erster Lernschritt, um die eigenen Maßstäbe kritisch zu hinterfragen und sich auf andere Sichtweisen einzulassen.
Das setzt Empathie bei den ErzieherInnen für „ihre“ Kinder (so wie sie sind und mit all dem was sie mitbringen) voraus, und nicht notwendigerweise das Studium vieler Sprachen und verschiedener Herkunftskulturen. Es geht darum, gesellschaftliche Hierarchien erkennen zu lernen, die Menschen in Inländer – Ausländer; reich – arm; „normal“ – behindert; weiß – schwarz; guter Ausländer – schlechter Ausländer; „wie ich“ – „nicht wie ich“ sortieren und ihnen einen Platz innerhalb, am Rand oder außerhalb der Gesellschaft zuweisen. Und es geht darum, Vorurteile wahrzunehmen, kritisch zu hinterfragen und Gegenstrategien auszuarbeiten, um Kindern ein Vorbild zu bieten.
Kindern, die Vorurteile und Ressentiments aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Religion, ihrer Aussprache etc. erfahren, ist nicht mit verharmlosenden Sätzen wie „war doch nicht so gemeint“ geholfen. Kinder werden nur dann gestärkt, wenn ihre Handlungsmöglichkeiten erweitert werden.
Um die oftmals hilflosen Strategien zu verändern, ist eine bessere Ausbildung in interkultureller – vorurteilsbewusster – Pädagogik notwendig. In den Fachschulen müssen Erzieherinnen für Vorurteile und Kulturunterschiede sensibilisiert werden. Sie sollen vorbereitet werden auf den Umgang mit Mehrsprachigkeit und kulturell-religiöser Vielfalt.
Die Maxime vieler PädagogInnen, alle Kinder gleich behandeln zu wollen, verkennt oftmals die Individualität der Kinder, denn Kinder sind zwar gleich viel wert, aber eben nicht gleich. Ein Kind, dessen Muttersprache im Kindergarten nicht gesprochen wird, braucht mehr Beachtung und Aufmerksamkeit als andere, damit es versteht und verstanden wird und seine Sprachfähigkeit entwickeln kann.
Der interkulturellen Integration geht es nicht darum, dass Einwanderkinder im Alltag und in der Statistik weniger unangenehm auffallen, sondern um gesellschaftliche Chancengleichheit: um die gleichberechtigte Teilhabe an Bildung und Kultur, an Beruf und Politik im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes des Grundgesetzes. Deshalb sollen Kinder mit Einwanderungshintergrund die Möglichkeit haben, während ihrer gesamten Bildungskarriere - vom Kindergarten bis zur Universität und der betrieblichen Aus- und Fortbildung - Sprachförderung zu erhalten. In den Lernstätten des Landes muss sich die Vielfalt unserer Einwanderungsgesellschaft widerspiegeln und konstruktiv genutzt werden.
In diesem Sinne stimmen wir mit der Schulministerin Barbara Sommer überein, die mit dem neuen Schulgesetz in NRW ein gerechtes Schulwesen errichten will, „in dem jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig von seiner Herkunft seine Chancen und Talente möglichst optimal nutzen und entfalten kann“.
Kindertagesstätten können personell und materiell so ausgestattet und offen sein, dass alle Kinder mit ihren kulturellen, sprachlichen und religiösen Eigenheiten angenommen werden.
Das setzt u. a. voraus, dass MigrantInnen als Erzieherinnen und KitaleiterInnen in den Einrichtungen arbeiten und sich ausländische Eltern in den Vertretungen engagieren.
Wenn interkulturelle bzw. vorurteilsbewusste Erziehung in den pädagogischen Konzepten von Kindertageseinrichtungen verankert ist, wird sie zum pädagogischen Alltag.
Anders wirken viele interkulturelle Einzelprojekte wie ein „türkisches Frühstück“ oder eine afrikanische Woche“, ein „Projekt Weltreise“ oder ein „multikulturelles Sommerfest“. Nach einer vorübergehenden Öffnung für das Fremde kehrt der „normal-deutsche Alltag“ zurück. Die konzeptionelle Verankerung vorurteilsbewusster Erziehung erfordert ein Umdenken. Es verändert die Wahrnehmung der kulturellen, religiösen und sprachlichen Vielfalt.
Dann kann der Kindergarten ein Ort sein, an dem die verschiedenen Kinder Gemeinsamkeiten entdecken und eine Verbundenheit entwickeln, um in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft miteinander zu leben und sie aktiv mitzugestalten.
Kinder bringen ihre Familiensprache, ihre Religion und ihre kulturell geprägten Lebensweisen mit in den Kindergarten. Als familienergänzende Bildungs- und Erziehungseinrichtung soll der Kindergarten diese Ressourcen in den Alltag der Kinder einbeziehen und nutzen. Interkulturelle Konzepte haben dafür Kriterien entwickelt, die folgende Einzelaspekte umfassen:
* Individualität – Gleichwertigkeit: „Jeder Mensch ist etwas
Besonderes!“
* Positive Identität: „Ich bin okay, so wie ich bin!“
* Wertschätzung: „Was ich mitbringe ist wichtig!“
* Repräsentanz: „Bei uns findet jeder ein Stück von zu
Hause!“
* Die heimlichen Botschaften erkennen: „Was andere verletzt,
ist nicht harmlos!“
* Den Blickwinkel ändern: „Meine Sicht ist nur eine von
vielen!“
* Gemeinsamkeiten entdecken: „Wenn wir zusammen spielen und
lernen, finden wir vieles, was uns verbindet!“
* Solidarität fördern: „Wir halten zusammen und können uns
wehren!“
Viele EinwandererInnen wollen, dass ihre Kinder bereits im Kindergarten die deutsche Sprache altersgerecht spielerisch und ohne Druck lernen. Gleichzeitig wollen sie, dass die Herkunftssprachen vertieft und gefestigt werden. Denn sie sind die Basis für den Erwerb weiterer Sprachen und nicht ein Hindernis.
Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich im Schulgesetz vom 15. Februar 2005 verpflichtet, Vorschulkinder ab dem vierten Lebensjahr, die nicht über hinreichende deutsche Sprachkenntnisse für den späteren Schulbesuch verfügen, zu fördern. Doch das jetzt in NRW eingeführte Testverfahren (Sprachstandserhebung) fahndet ausschließlich nach den Defiziten der Kinder in der deutschen Sprache, führt also leicht zur Entmutigung von Kindern aus ungünstigen sozialen Milieus und von Kindern mit Migrationshintergrund. Es berücksichtigt nicht deren mögliche Kompetenzen in einer anderen Sprache, die sie in ihren Familien erworben haben.
Maßnahmen, die nur die deutsche Sprache der Kinder fördern, wirken sich nicht integrativ auf die Gesamtfamilie aus.
Die Eltern, die als Partner für gemeinsam getroffene, tragfähige Erziehungsvereinbarungen gelten müssen, werden nicht in die Bildungsvita ihrer Kinder einbezogen.
Anzustreben ist eine Erziehungspartnerschaft zwischen ErzieherInnen und Eltern. Eine Partnerschaft, die Eltern stärkt, aber auch fordert.
Die Kindergärten in Nordrhein-Westfalen sind immer noch nicht ausreichend vorbereitet auf die alltägliche pädagogische Arbeit mit Kindergruppen unterschiedlicher Sprachen und Herkunftskulturen. Auch wenn in vielen Einrichtungen bereits Maßnahmen zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache stattfinden, existieren die strukturellen Voraussetzungen für die interkulturelle Arbeit mit Kindern immer noch nicht. Die Aufgabe, ein interkulturelles Lern- und Lebensumfeld für die fast überall vorhandenen multikulturellen Gruppen zu schaffen, erfordert kompetentes sich weiterbildendes Personal, einen angemessenen Betreuungsschlüssel für die Kindergruppen, Zeit für die Entwicklung und praktische Umsetzung der Prinzipien und die Bereitschaft, sich auf den Prozess des Umdenkens für einen „Kindergarten ohne Rassismus“ einzulassen.
Dieser Idee ist die interkulturelle bzw. vorurteilsbewusste Erziehung verpflichtet, die zum Bestandteil einer multikulturellen Kindergartenkultur im Einwanderungsland Bundesrepublik Deutschland werden kann.
So erfordert interkulturelle Erziehung einen Perspektivwechsel der MitarbeiterInnen, die überwiegend der Mehrheitsgesellschaft angehören, bei der alltäglichen Arbeit. Die eigene Sicht, die eigenen Vorstellungen von „guter“ Erziehung, von Normalität und Umgangsformen, Lebensgestaltung und Sprachenkultur nur als eine von vielen zu begreifen, ist ein erster Lernschritt, um die eigenen Maßstäbe kritisch zu hinterfragen und sich auf andere Sichtweisen einzulassen.
Das setzt Empathie bei den ErzieherInnen für „ihre“ Kinder (so wie sie sind und mit all dem was sie mitbringen) voraus, und nicht notwendigerweise das Studium vieler Sprachen und verschiedener Herkunftskulturen. Es geht darum, gesellschaftliche Hierarchien erkennen zu lernen, die Menschen in Inländer – Ausländer; reich – arm; „normal“ – behindert; weiß – schwarz; guter Ausländer – schlechter Ausländer; „wie ich“ – „nicht wie ich“ sortieren und ihnen einen Platz innerhalb, am Rand oder außerhalb der Gesellschaft zuweisen. Und es geht darum, Vorurteile wahrzunehmen, kritisch zu hinterfragen und Gegenstrategien auszuarbeiten, um Kindern ein Vorbild zu bieten.
Kindern, die Vorurteile und Ressentiments aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Religion, ihrer Aussprache etc. erfahren, ist nicht mit verharmlosenden Sätzen wie „war doch nicht so gemeint“ geholfen. Kinder werden nur dann gestärkt, wenn ihre Handlungsmöglichkeiten erweitert werden.
Um die oftmals hilflosen Strategien zu verändern, ist eine bessere Ausbildung in interkultureller – vorurteilsbewusster – Pädagogik notwendig. In den Fachschulen müssen Erzieherinnen für Vorurteile und Kulturunterschiede sensibilisiert werden. Sie sollen vorbereitet werden auf den Umgang mit Mehrsprachigkeit und kulturell-religiöser Vielfalt.
Die Maxime vieler PädagogInnen, alle Kinder gleich behandeln zu wollen, verkennt oftmals die Individualität der Kinder, denn Kinder sind zwar gleich viel wert, aber eben nicht gleich. Ein Kind, dessen Muttersprache im Kindergarten nicht gesprochen wird, braucht mehr Beachtung und Aufmerksamkeit als andere, damit es versteht und verstanden wird und seine Sprachfähigkeit entwickeln kann.
Der interkulturellen Integration geht es nicht darum, dass Einwanderkinder im Alltag und in der Statistik weniger unangenehm auffallen, sondern um gesellschaftliche Chancengleichheit: um die gleichberechtigte Teilhabe an Bildung und Kultur, an Beruf und Politik im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes des Grundgesetzes. Deshalb sollen Kinder mit Einwanderungshintergrund die Möglichkeit haben, während ihrer gesamten Bildungskarriere - vom Kindergarten bis zur Universität und der betrieblichen Aus- und Fortbildung - Sprachförderung zu erhalten. In den Lernstätten des Landes muss sich die Vielfalt unserer Einwanderungsgesellschaft widerspiegeln und konstruktiv genutzt werden.
In diesem Sinne stimmen wir mit der Schulministerin Barbara Sommer überein, die mit dem neuen Schulgesetz in NRW ein gerechtes Schulwesen errichten will, „in dem jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig von seiner Herkunft seine Chancen und Talente möglichst optimal nutzen und entfalten kann“.


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